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Meist beginnt es an einem ruhigen Morgen. Ihre Google-Note, seit Jahren stabil, ist gefallen. Es gibt elf neue 1-Stern-Bewertungen, alle aus den letzten Stunden, die meisten ohne Text. Am Nachmittag kommt eine Nachricht per WhatsApp oder E-Mail: Die Bewertungen ließen sich entfernen, gegen eine Gebühr.
Das ist Erpressung mit Bewertungen, und Google behandelt sie inzwischen als eigene Kategorie. Ein Shitstorm sieht am Anfang ähnlich aus, Ursache und Ziel sind aber andere. Dieser Artikel behandelt beides, mit den offiziellen Formularen und einem Plan für die ersten zwei Tage.
So sieht Erpressung mit Bewertungen aus
Die Hilfeseite von Google beschreibt das Muster so: „Bei dieser Art von Betrug kommt es möglicherweise zu einem plötzlichen Anstieg von 1- und 2-Sterne-Rezensionen in Ihrem Unternehmensprofil. Anschließend werden Geld, Waren oder Dienstleistungen im Gegenzug für das Entfernen der negativen Rezensionen gefordert.“
Die Einzelheiten unterscheiden sich. Manche Täter posten zuerst und schreiben später. Manche schreiben zuerst und drohen. Manche geben sich als „Reputationsagentur“ aus, die Ihr Problem zufällig bemerkt hat und es lösen kann. Gemeinsam ist allen die Verbindung zwischen den Bewertungen und einer Zahlung.

Wie sich ein Shitstorm unterscheidet
Bei einem Shitstorm, im Englischen Review Bombing genannt, schreiben viele Menschen gleichzeitig negative Bewertungen. Meist reagieren sie auf etwas, das sie gelesen oder gesehen haben, nicht auf eine eigene Erfahrung: ein viraler Beitrag, ein Zeitungsartikel, eine politische Äußerung, manchmal auch eine Verwechslung mit einem gleichnamigen Unternehmen.
Es gibt keine Forderung, und die Verfasser sind oft echte Menschen, nur eben keine Kunden. Das ändert das Ziel. Bei einer Erpressung haben Sie es mit Kriminellen zu tun, bei einem Shitstorm mit einem Publikum. Die ersten Stunden sehen aber gleich aus, und auch die ersten Schritte sind dieselben.
| Erpressung | Shitstorm | |
|---|---|---|
| Wer postet | Eine Person oder Gruppe, oft mit gefälschten Konten | Viele echte Menschen, meist keine Kunden |
| Warum | Geld, Waren oder Leistungen | Ärger über eine Geschichte, einen Beitrag oder eine Äußerung |
| Kontakt | Eine Forderung per Nachricht, E-Mail oder Telefon | Meist keiner |
| Wo melden | Formular von Google zur Erpressung, dazu jede einzelne Rezension | Die Rezensionen, als nicht themenbezogen oder ohne echte Erfahrung |
Stunde 0 bis 2: innehalten, nicht antworten
Der erste Impuls ist, jede Bewertung zu beantworten, öffentlich und schnell. Widerstehen Sie. Der Rat von Google bei Erpressung lautet: „Lassen Sie sich nicht auf die Erpresser ein bzw. zahlen Sie nicht“ und „Versuchen Sie nicht, das Problem selbst zu lösen, indem Sie Geld oder Dienstleistungen anbieten.“ Bei einem Shitstorm ist eine wütende Antwort genau das, was als Screenshot weitergereicht wird.
- Das Team informieren. Wer das Postfach oder WhatsApp des Unternehmens liest, sollte weder auf Forderungen antworten noch mit Verfassern streiten.
- Nicht zahlen, auch keinen kleinen Betrag. Google warnt: „Sie werden eventuell trotzdem weiter erpresst. Außerdem ist nicht sicher, dass die Rezensionen entfernt werden.“
- Keine positiven Bewertungen zum Ausgleich posten. Das verstößt gegen die Richtlinien von Google und gegen das UWG, und es verwässert Ihre Meldung.
Stunde 2 bis 12: Beweise sichern
Das Formular von Google fragt nach bestimmten Angaben. Sammeln Sie sie, bevor Sie es ausfüllen. Google schreibt: „Sichern Sie sofort alle Beweise. Je früher, desto besser.“
- den Link zu Ihrem Unternehmensprofil, mit vollständigem Namen und Adresse des Unternehmens;
- Links zu allen verdächtigen Rezensionen, mit Screenshots, auf denen Datum und Name des Verfassers zu sehen sind;
- gut lesbare Screenshots jeder Nachricht mit einer Forderung, ob per E-Mail, WhatsApp, Telegram oder in sozialen Medien;
- alles, was Sie über die Absender wissen: Namen, Nutzernamen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern, Profile;
- Datum und Uhrzeit, wann Sie den Anstieg zum ersten Mal bemerkt und wann Sie die erste Forderung erhalten haben.
Legen Sie alles in einem Ordner ab. Verschwinden die Bewertungen und tauchen wieder auf, oder gehen Sie zur Polizei, brauchen Sie die Originale.
Stunde 12 bis 24: am richtigen Ort melden
- Das Erpressungsformular nutzen. Es heißt „Formular zur Meldung der Erpressung eines Händlers“ und ist auf der Hilfeseite von Google verlinkt. Hängen Sie die Forderungen an: Erst sie machen aus einem Haufen schlechter Bewertungen einen klaren Fall.
- Zusätzlich jede Rezension melden. Melden Sie im Tool zum Verwalten von Bewertungen jede verdächtige Rezension mit dem passenden Grund. Das Tool zeigt den Stand jeder Meldung; die Überprüfung dauert laut Google „in der Regel mehrere Tage“.
- Anzeige bei der Polizei erstatten, wenn Geld gefordert wurde. Erpressung ist nach § 253 StGB strafbar, auch der Versuch. Viele Bundesländer nehmen Anzeigen auch online über eine Internetwache entgegen.
- Die anderen Bewertungsportale prüfen. Täter greifen manchmal gleichzeitig bei Trustpilot, ProvenExpert oder Facebook an. Jedes Portal hat ein eigenes Meldeverfahren.
Stunde 24 bis 48: mit echten Kunden sprechen
Sind die Meldungen abgeschickt, können Sie sich öffentlich äußern. Halten Sie es kurz und überall gleich. Eine Antwort, die Sie unter mehrere Bewertungen setzen, oder ein einziger Beitrag wirkt besser als fünfzig einzelne Antworten:
„Seit gestern haben wir eine Reihe von Bewertungen von Konten erhalten, die wir keinem Kunden zuordnen können, zusammen mit einer Zahlungsforderung für ihre Entfernung. Wir haben das an Google gemeldet. Wenn Sie Kunde bei uns sind und ein Problem hatten, melden Sie sich bitte direkt bei uns unter ...“
Bei einem Shitstorm geht es in der Antwort um die Geschichte, nicht um die Bewertungen: was passiert ist, was Sie tun, wie man Sie erreicht. Drohen Sie Verfassern nicht mit rechtlichen Schritten. Das wirkt nach außen wie Einschüchterung und kann den Shitstorm verlängern. Ob gegen einzelne Bewertungen rechtlich etwas möglich ist, klären Sie in Ruhe mit einer Anwältin oder einem Anwalt.
Was Google auf seiner Seite tut
Im April 2026 hat Google beschrieben, was bei einem plötzlichen Anstieg von Spam-Bewertungen in einem Profil passiert: Die gefälschten Inhalte werden schnell entfernt, neue Bewertungen für das Profil pausiert, der Inhaber benachrichtigt, und Besucher sehen einen Hinweis, warum Beiträge vorübergehend pausiert sind. Nach eigenen Angaben hat Google 2025 über 292 Millionen Bewertungen blockiert oder entfernt, die gegen die Richtlinien verstießen.
Eine Pause kann sich wie eine Strafe anfühlen, vor allem wenn echte Kunden eine Zeit lang keine Bewertung schreiben können. Sie stoppt aber das Wachstum der Welle und zeigt Käufern, dass der plötzliche Absturz nicht die ganze Geschichte ist.
Am ersten Tag davon wissen
Alles oben wirkt besser, je früher es beginnt. Eine Welle, die Sie am vierten Tag bemerken, weil ein Kunde fragt, was denn los sei, haben alle gesehen, die Sie in dieser Woche gesucht haben.
- Schalten Sie im Google-Unternehmensprofil die Benachrichtigungen der Kategorie „Kundenaktivität“ ein, sie melden neue Rezensionen.
- Beobachten Sie die Noten auch auf den anderen Portalen, die bei einer Suche nach Ihrem Namen erscheinen, nicht nur bei Google.
- Beobachten Sie Ihre Suchvorschläge: Ein Angriff mit Bewertungen kommt manchmal zusammen mit Suchen nach „Ihr Name Betrug“.
WhatsMyRep prüft jeden Tag die Noten, die Google zu Ihrem Namen zeigt, und markiert einen Rückgang um 0,2 oder mehr von einem Tag auf den nächsten; ein Rückgang um 0,5 oder mehr löst mit den Standardeinstellungen eine Warnung aus. Was das Monitoring abdeckt und was nicht, steht unter Bewertungen überwachen.
Quellen
- Erpressungsversuche mit negativen Rezensionen über das Unternehmensprofil meldensupport.google.comGeprüft am 7. Oktober 2026
- New ways we're protecting businesses on Maps (Google, 16. April 2026, Englisch)blog.googleGeprüft am 7. Oktober 2026
- Unangemessene Rezensionen in Ihrem Unternehmensprofil meldensupport.google.comGeprüft am 7. Oktober 2026
- § 253 StGB: Erpressunggesetze-im-internet.deGeprüft am 7. Oktober 2026
Fragen und Antworten
Soll ich zahlen, damit die Bewertungen verschwinden?
Nein. Google schreibt ausdrücklich: „Lassen Sie sich nicht auf die Erpresser ein bzw. zahlen Sie nicht.“ Und weiter: „Sie werden eventuell trotzdem weiter erpresst. Außerdem ist nicht sicher, dass die Rezensionen entfernt werden.“
Wie melde ich eine Erpressung mit Bewertungen bei Google?
Über das Formular zur Meldung der Erpressung eines Händlers. Es ist auf der Hilfeseite „Erpressungsversuche mit negativen Rezensionen über das Unternehmensprofil melden“ verlinkt und fragt nach Ihren Kontaktdaten, dem Link zum Unternehmensprofil, den verdächtigen Rezensionen, Screenshots der Forderungen und allem, was Sie über die Täter wissen.
Stoppt Google neue Bewertungen, während es prüft?
Google schreibt, dass es bei einem plötzlichen Anstieg von Spam-Bewertungen neue Bewertungen für das Profil pausieren, den Inhaber benachrichtigen und Besuchern einen Hinweis anzeigen kann, warum Beiträge vorübergehend pausiert sind.
Ist das eine Straftat?
Wer mit einer Drohung Geld verlangt, kann sich in Deutschland nach § 253 StGB wegen Erpressung strafbar machen, schon der Versuch ist strafbar. Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei. Das ist keine Rechtsberatung; im Einzelfall hilft eine Anwältin oder ein Anwalt.
Was ist der Unterschied zwischen Shitstorm und Erpressung?
Bei einem Shitstorm schreiben viele Menschen auf einmal negative Bewertungen, meist als Reaktion auf eine Geschichte im Netz und ohne Forderung. Bei einer Erpressung folgt auf die Welle eine Forderung nach Geld oder Leistungen. Die ersten Schritte sind dieselben: dokumentieren, melden und nicht jede Bewertung im Ärger beantworten.